05.05.2018
Maibockfest der Freien Wähler Schorndorf

Süffiger Maibock und klare Kante bestimmten am Samstagabend den Wahlkampfauftakt der Freien Wähler

Cham/Landkreis. Süffiger Maibock und klare Kante bestimmten am Samstagabend den Wahlkampfauftakt der Freien Wähler mit der Vorstellung der vier Kandidaten für die Landtags- und Bezirkswahl. Als Rahmen diente das traditionelle Maibockfest der Parteifreien Wählerschaft Schorndorf.


Schorndorfs Ortsvorsitzender, 1. Bürgermeister und Kreisrat Max Schmaderer, der für den Bezirkstag selbst in den Ring steigt, konnte im Gasthof „Zum Türlinger“ vor allem die weiteren FW-Mitbewerber Robert Riedl bzw. Dr. Herbert Weidacher (Landtagswahl) sowie Dr. Thomas Klyscz (Bezirkswahl) begrüßen. Ein besonderes Willkommen galt vor allem MdL Dr. Karl Vetter, dem Kreisvorsitzenden Hans Kraus mit seinen Stellvertretern Emmi Kollross bzw. Manfred Daiminger sowie Abordnungen der FW-Ortsverbände aus Bad Kötzting, Waffenbrunn, Pösing, Chamerau, Lam und natürlich Schorndorf. Mit der SuKK Schorndorf, dem Burschenverein Schorndorf und dem SSV Schorndorf zeigten sich drei Vereine vertreten, die schon in wenigen Wochen große Feste feiern: „Die Freien Wähler werden dabei präsent sein“, so das Versprechen von Schmaderer.

Neben Politik waren beim Maibockfest auch süffiger Gerstensaft, gutes und herzhaftes Essen aus der Türlinger-Küche sowie musikalische Unterhaltung durch Engelbert Eckert angesagt. MdL Dr. Karl Vetter attestierte seinen „Zöglingen“, dass sie voll im Leben stehen: „Wenn man weiß, wovon man spricht, schadet dass in der Politik zumindest nicht“. Natürlich sei bei ihm im Hinblick auf das Ausscheiden gewisse Wehmut da, „auch weil gerade hier von Schorndorf aus viele erfolgreiche Wege ihren Anfang genommen haben“. Vetter hofft, dass die Landkreis-Bevölkerung taktisch gut wählt: „Etwa 25 Prozent für die Freien Wähler, diese Chance hat sonst kein Landkreis in Bayern“.

Max Schmaderer (Bezirkswahl direkt, Liste Platz 2)

Bei der Kandidatenvorstellung, die jetzt für die Freien Wähler im Landkreis Cham ins Rennen gehen, machte Schmaderer selbst den Anfang und nannte vor allem drei Beweggründe. So möchte Schmaderer aus Rücksicht auf seine Familie und seine Gemeinde Schorndorf daheim der Kommunalpolitik treu bleiben, ganz gemäß dem Motto „Schuster bleib bei den deinen Leisten“. Er sei seit 28 Jahren Bürgermeister und seit 34 Jahren Gemeinderat und sehe mit dem Bezirkstag als dritte kommunale Ebene viele Berührungspunkte, Aufgaben und Einrichtungen, die eng auf die Kommunalpolitik durchschlagen. Schmaderer attestierte Löffler als Bezirkstagspräsident einen hervorragenden Job, doch zwei Vertreter aus dem Landkreis Cham im Bezirkstag seien natürlich besser als einer. Und so hofft Schmaderer, dass die Landkreisbürger taktisch überlegt wählen. Als zweiten Beweggrund nannte Schmaderer das Vermächtnis von Hans Stangl, der leider viel zu früh verstorben sei. Und Motivation Nummer drei: Die derzeit instabile Lage in der Politik mit dem entsprechenden Wählerverhalten. Bei der letzten Bundestagswahl hätte die Angst vor dem Ungewissen gewonnen. „Ich möchte dieser Wahl mit meinem Namen ein Gesicht geben und mit Offenheit und Respekt das Vertrauen der Wähler gewinnen“, so Schmaderer abschließend, „ich sehe mich als politischen Querdenker mit Visionen, mein Name ist Programm, mehr gibt es nicht, dafür stehe ich“.

 

Robert Riedl (Landtagswahl direkt, Liste Platz 3)

„Nur zusammen können wir einen Sieg einfahren“, so zunächst der Appell von Robert Riedl an den Teamgeist in den Ortsverbänden, egal ob als Ideengeber, Multiplikator oder Plakataufsteller. Riedl versprach, um jede Stimme zu kämpfen. „Wer kann’s besser als die CSU?“ Der Aussage des Oberpfälzer CSU-Chefs Füracker entgegnete Riedl sarkastisch und unterstellte der in Bayern staatstragenden Partei respektlose, umstrittene, willkürliche sowie hirnlose Gesetze und Entscheidungen. „Da sind sie absolute Meister“, so Riedl, der beispielsweise auf den Verkauf von 33000 GBW-Wohnungen oder die 10 Mrd. Euro Bürgschaft für die Landesbank verwies. Und nun plane Söder den Verkauf der E-ON-Anteile für eine neue Wohnungsbaugesellschaft. Oder das Thema Glyphosat: In Brüssel sage die CSU ja und in Bayern nein. Zur von der CSU geforderten Pkw-Maut höre man jetzt nichts mehr. Oder jüngst die Kreuze: Diese sensible Thema dürfe nicht für den Wahlkampf instrumentalisiert werden.

Söder sei nichts heilig, „er versucht alles, um jede Stimme zu bekommen“. Beim Psychiatriegesetz wolle die CSU nach viel Kritik und Druck nun nachbessern. „Wir müssen die psychisch Kranken vor Söder schützen“, so Riedl dazu, der selber zwei Ziele hat: Mit ihm zwei Abgeordnete und die absolute Mehrheit für Söder verhindern. Für Riedl ist klar, dass es jemand besser kann als die CSU. In Schorndorf stelle dies Bürgermeister Max Schmaderer unter Beweis (keine Schlagloch, keine Kindergartengebühren, keine Straßenausbaubeiträge). Und auch in Cham und Bad Kötzting könnten es Freien Wähler besser als die CSU. „Wir können es nicht gut, wir können es besser“, so Riedl überzeugt.

 Die Freien Wähler und keine Ideen? Die CSU würden 95 Prozent der FW-Vorschläge zunächst ablehnen, um sie dann später als CSU-Idee wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Beispiele: Studiengebühren und G8. Riedl versprach für die Hebammen kämpfen zu wollen (staatlichen Fonds zur Unterstützung) und sich für die Gebührenfreiheit bei Kindergarten und Kita einzusetzen. Im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs sollte den Gemeinden mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. Was die Bildung betrifft, habe Bayern das schwerste Abitur in ganz Deutschland. In Berlin genüge der Dreisatz für 1,0, „und dann nehmen sie den bayerischen Studenten bei uns in Bayern die Studienplätze weg“. Riedl forderte ein gleiches Abitur für alle oder Aufnahmeprüfungen in bestimmten Studiengängen wie Medizin. Trotz der niedrigen Arbeitslosigkeit in unserer Region sieht Riedl auch in diesem Bereich ein Problem: Im Lohnvergleich sinken wir weit hinterher.

 Die Freien Wähler könnten es auch im Landtag und das wolle man weiter beweisen. Dazu müsste aber taktisch gewählt werden, „wir brauchen zwei Abgeordnete sowohl im Landtag als auch Bezirk“. Riedl bat um das Vertrauen der Wähler, „wir machen vernünftige Politik, sind unabhängig und unbestechlich“.

 

Dr. Herbert Weidacher (Landtagswahl, Liste Platz 14)

„Das Schöne an den Freien Wählern ist, dass sie so spontan sind“ meinte der Listenkandidat der Freien Wähler und hielt sich mit einem leeren Blatt Manuskript in der Hand auch entsprechend an diese Maxime. Er wolle vor allem auch erreichen, „dass die AfD verschwindet“. Und zur Kreuzdebatte: Da könne er nur auf Bruno Jonas und seinen tollen Beitrag verweisen, zwischen Kreuz und Kruzifix würde ein feiner Unterschied bestehen. Für Dr. Weidacher ist nicht die Liste bzw. der Platz entscheidend, für die bzw. auf dem man kandidiere, „entscheidend ist für mich, was wir tun“. Später, im Laufe der abschließenden Diskussion, machte Weidacher noch eine klare Aussage zu den Krankenhausstandorten im Landkreis Cham: „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass wir ein Zentralkrankenhaus brauchen, meinetwegen auf der grünen Wiese“.

Dr. Thomas Klyscz (Bezirkswahl, Liste Platz 13)

Dem Dermatologen ist der verrückte Verteilungsschlüssel für die Niederlassung von Ärzten ein Dorn im Auge und er möchte daran arbeiten, dass bei der Ärzteversorgung gleiche Lebensverhältnisse auf dem Land im Vergleich zu den Ballungszentren hergestellt werden. Auch über die Vergabe von Medizinstudienplätzen könnte die Landarztquote angeschoben werden. Nicht nachvollziehen kann Dr. Klyscz die Verlagerung des Gesundheitsministerium von der größten (München) in die zweitgrößte Stadt (Nürnberg). Nürnberg habe keine Historie als Medizinstadt, „ein bisher in München funktionierendes Ministerium wird zerstört“. Chancen sieht Klyscz in der Telemedizin: Nicht beim Erstkontakt und bei der Erstversorgung, aber etwa bei der weiteren Behandlung und Beobachtung (z.B. Wundheilung).